Der Strukturalismus als Element geistlicher Rhetorik

Der Strukturalismus als Element geistlicher Rhetorik 361 Zweifellos hat er hierzu einen bedeutenden Beitrag geleistet mit seiner entschiede- nen Betonung der Autonomie des Weltethos, d. i. der Eigengesetzlichkeit der von der menschlichen Vernunft erarbeiteten Sittenlehre. Diese Autonomie schrankt er jedoch ein mit der Behauptung, der Mensch erfasse und formuliere lediglich die vom Schopfergott der Welt einerschaffene Rationalitdt. Die Sittlichkeit werde also vom Menschen empfangen, nicht von ihm selber gesetzt. Eine solche Einschrankung der Autonomie des Weltethos d3rfte heute, wo die "wissenschaftliche Objektivierbarkeit und Beweisbarkeit Gottes aus unserem Hori- zont entglitten ist"4, f3r die viele unglaubwurdig geworden sein. Die Tatsache, daf3 die Kirche Jahrhunderte hindurch den augustinischen Pessimis- mus vertreten hat, wonach der Mensch "aus eigenem" nichts "anderes als Luge und Sunde hat"5, und noch durch das Trienter Konzil mit dem Bann belegte wer immer zu sagen wagt, der Mensch "konne gerecht leben ... mit dem freien Willen ohne Gnade", wenn auch mit grofer Muhe (Can. I de iustificatione; Denz. 1551), hat Auer nicht abgehalten, dem naturlidien Menschen die Fahigkeit zuzu- schreiben, das sittlich Gute nicht nur zu erkennen und anzustreben, sondern auch, teilweise wenigstens, zu verwirklichen. Ebenso mutig stellt er fest, daf3 in der Heiligen Sdhrift keine neue Ethik verkun- det, sondern das Weltethos http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Der Strukturalismus als Element geistlicher Rhetorik

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Publisher
BRILL
Copyright
© 1974 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007374X00592
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Abstract

361 Zweifellos hat er hierzu einen bedeutenden Beitrag geleistet mit seiner entschiede- nen Betonung der Autonomie des Weltethos, d. i. der Eigengesetzlichkeit der von der menschlichen Vernunft erarbeiteten Sittenlehre. Diese Autonomie schrankt er jedoch ein mit der Behauptung, der Mensch erfasse und formuliere lediglich die vom Schopfergott der Welt einerschaffene Rationalitdt. Die Sittlichkeit werde also vom Menschen empfangen, nicht von ihm selber gesetzt. Eine solche Einschrankung der Autonomie des Weltethos d3rfte heute, wo die "wissenschaftliche Objektivierbarkeit und Beweisbarkeit Gottes aus unserem Hori- zont entglitten ist"4, f3r die viele unglaubwurdig geworden sein. Die Tatsache, daf3 die Kirche Jahrhunderte hindurch den augustinischen Pessimis- mus vertreten hat, wonach der Mensch "aus eigenem" nichts "anderes als Luge und Sunde hat"5, und noch durch das Trienter Konzil mit dem Bann belegte wer immer zu sagen wagt, der Mensch "konne gerecht leben ... mit dem freien Willen ohne Gnade", wenn auch mit grofer Muhe (Can. I de iustificatione; Denz. 1551), hat Auer nicht abgehalten, dem naturlidien Menschen die Fahigkeit zuzu- schreiben, das sittlich Gute nicht nur zu erkennen und anzustreben, sondern auch, teilweise wenigstens, zu verwirklichen. Ebenso mutig stellt er fest, daf3 in der Heiligen Sdhrift keine neue Ethik verkun- det, sondern das Weltethos

Journal

Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1974

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