Buddhismus und Christentum

Buddhismus und Christentum Buddhismus und Christentum Untersuchung zur Typologie zweier Weltreligionen HEINZ ROHR Sinn, Aufgabe und Methode einer Typologie Das Muster einer brauchbaren Typologie der Religionen hat Goethe in seinem "Wilhelm Meister" gegeben. Er macht dort ein wesentliches psycho- logisches Element zum Einteilungsprinzip aller religiosen Phanomene, nam- lich die Ehr f urcht. Die Ehrfurcht vor dem, was über uns ist, ist die ethnische Religion, die Religion der V61ker; vor dem, was uns gleich ist, die philo- sophische Religion. Die Ehrfurcht vor dem aber, was unter uns ist, die auch das Niedrige, das Leid und den Tod als gottlich anerkennt, ja noch Siinde und Verbrechen als Fordernis des Heiligen verehrt, das ist das Letzte und Hochste, das Christentum. Das Bedürfnis nach einer Typologie der Religionen ist alt. Es entstammt einmal der Notwendigkeit, wissenschaftsmethodisch eine gewisse "Ordnung" in den Bereich der Erscheinungswelt des Religiosen zu bringen. Zum andern entspringt es einem tiefen Anliegen des Humanum selbst, das sich gegen alle naiven Absolutheitsanspruche wehrt. So will Goethes typologische Ein- teilung ganz gewii3 nicht christlich-dogmatisch verstanden werden, zumal sich Goethe etwa in der Diwan-Epoche mit ganzer Sympathie dem Islam zuwendet und er sich auch gelegentlich als "dezidierter Nichtchrist" beken- nen kann, der die Religion der http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Buddhismus und Christentum

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Publisher
Brill
Copyright
© 1973 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007373X00331
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Abstract

Buddhismus und Christentum Untersuchung zur Typologie zweier Weltreligionen HEINZ ROHR Sinn, Aufgabe und Methode einer Typologie Das Muster einer brauchbaren Typologie der Religionen hat Goethe in seinem "Wilhelm Meister" gegeben. Er macht dort ein wesentliches psycho- logisches Element zum Einteilungsprinzip aller religiosen Phanomene, nam- lich die Ehr f urcht. Die Ehrfurcht vor dem, was über uns ist, ist die ethnische Religion, die Religion der V61ker; vor dem, was uns gleich ist, die philo- sophische Religion. Die Ehrfurcht vor dem aber, was unter uns ist, die auch das Niedrige, das Leid und den Tod als gottlich anerkennt, ja noch Siinde und Verbrechen als Fordernis des Heiligen verehrt, das ist das Letzte und Hochste, das Christentum. Das Bedürfnis nach einer Typologie der Religionen ist alt. Es entstammt einmal der Notwendigkeit, wissenschaftsmethodisch eine gewisse "Ordnung" in den Bereich der Erscheinungswelt des Religiosen zu bringen. Zum andern entspringt es einem tiefen Anliegen des Humanum selbst, das sich gegen alle naiven Absolutheitsanspruche wehrt. So will Goethes typologische Ein- teilung ganz gewii3 nicht christlich-dogmatisch verstanden werden, zumal sich Goethe etwa in der Diwan-Epoche mit ganzer Sympathie dem Islam zuwendet und er sich auch gelegentlich als "dezidierter Nichtchrist" beken- nen kann, der die Religion der

Journal

Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1973

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