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Bemerkungen zur Rezension von Jörg Hardy

Bemerkungen zur Rezension von Jörg Hardy Franz von Kutschera, Universität Regensburg Jörg Hardy stellt in seiner Rezension Ansatz und Intention meiner Platon-Inter- pretationen erfreulich richtig und verständnisvoll dar. Daher kann ich mich in meiner Erwiderung auf zwei seiner kritischen Einwände beschränken. Im § 5 sieht Hardy zu Recht eine Spannung zwischen den erfüllbaren Bedin- gungen für Wissen – dass man z. B. eine korrekte Definition einer Idee angeben oder eine Ansicht begründen und gegen Einwände verteidigen kann – und der Aussage Platons, dass wir volles Wissen entweder nie oder aber erst nach dem Tod erreichen können (Phaidon, 66e–67a). Hardy referiert meine Aussagen dazu korrekt, meint aber, ich ginge darauf zu wenig ein. Ich verstehe Platon so, dass er von der Fallibilität all unserer Annahmen überzeugt ist, wie gut sie auch immer begründet seien. Platon ging es vor allem um Ideenerkenntnis, wie Hardy betont, also um Gegenstände einer transempirischen Wirklichkeit. In diesem Leben sind wir zu einer direkten Wahrnehmung der Ideen nicht fähig, die uns eine unmittel- bare und unerschütterliche Evidenz vermitteln könnte. Anders als Hardy würde ich das aber nicht so ausdrücken, dass wir in diesem Leben nach Platon nicht über Meinungen hinaus kämen. Platon liegt durchaus an einem hier und jetzt feststellbaren Unterschied zwischen Meinung und Wissen. Er bekennt sich zur Möglichkeit von Wissen in diesem Leben, trotz der prinzipiellen Irrtumsmöglich- keit. Damit ist auch der kritische Einwand in § 6 beantwortet. Im § 8 weist Hardy auf eine Diskrepanz hin zwischen meinen Äußerungen zur Ausweitung der Ideen in den späteren Dialogen und meiner Behauptung (III: 205), am Ende blieben nur mehr logische und mathematische Ideen übrig. Er löst diese Diskrepanz so auf, dass die letztere Aussage sich nur auf die höchsten Ideen bezieht. Ich habe jedoch die erste Behauptung unter logischem, die zweite unter metaphysischem Aspekt gemacht. Unter logischem Aspekt nähern sich die Ideen Eigenschaften an, so dass Schmutz nun ebenso eine Idee ist wie Schönheit. Unter metaphysischem Aspekt geht es um die Elemente der Wirklichkeit, und da kann man ganz grob sagen: Die Wirklichkeit entsteht aus wenigen abstrakten Grundideen und dem Unbegrenzten als Materie aller Bestimmung durch diese Ideen. http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png History of Philosophy and Logical Analysis Brill

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Publisher
Brill
Copyright
Copyright © Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
2666-4283
eISSN
2666-4275
DOI
10.30965/26664275-00901013
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Abstract

Franz von Kutschera, Universität Regensburg Jörg Hardy stellt in seiner Rezension Ansatz und Intention meiner Platon-Inter- pretationen erfreulich richtig und verständnisvoll dar. Daher kann ich mich in meiner Erwiderung auf zwei seiner kritischen Einwände beschränken. Im § 5 sieht Hardy zu Recht eine Spannung zwischen den erfüllbaren Bedin- gungen für Wissen – dass man z. B. eine korrekte Definition einer Idee angeben oder eine Ansicht begründen und gegen Einwände verteidigen kann – und der Aussage Platons, dass wir volles Wissen entweder nie oder aber erst nach dem Tod erreichen können (Phaidon, 66e–67a). Hardy referiert meine Aussagen dazu korrekt, meint aber, ich ginge darauf zu wenig ein. Ich verstehe Platon so, dass er von der Fallibilität all unserer Annahmen überzeugt ist, wie gut sie auch immer begründet seien. Platon ging es vor allem um Ideenerkenntnis, wie Hardy betont, also um Gegenstände einer transempirischen Wirklichkeit. In diesem Leben sind wir zu einer direkten Wahrnehmung der Ideen nicht fähig, die uns eine unmittel- bare und unerschütterliche Evidenz vermitteln könnte. Anders als Hardy würde ich das aber nicht so ausdrücken, dass wir in diesem Leben nach Platon nicht über Meinungen hinaus kämen. Platon liegt durchaus an einem hier und jetzt feststellbaren Unterschied zwischen Meinung und Wissen. Er bekennt sich zur Möglichkeit von Wissen in diesem Leben, trotz der prinzipiellen Irrtumsmöglich- keit. Damit ist auch der kritische Einwand in § 6 beantwortet. Im § 8 weist Hardy auf eine Diskrepanz hin zwischen meinen Äußerungen zur Ausweitung der Ideen in den späteren Dialogen und meiner Behauptung (III: 205), am Ende blieben nur mehr logische und mathematische Ideen übrig. Er löst diese Diskrepanz so auf, dass die letztere Aussage sich nur auf die höchsten Ideen bezieht. Ich habe jedoch die erste Behauptung unter logischem, die zweite unter metaphysischem Aspekt gemacht. Unter logischem Aspekt nähern sich die Ideen Eigenschaften an, so dass Schmutz nun ebenso eine Idee ist wie Schönheit. Unter metaphysischem Aspekt geht es um die Elemente der Wirklichkeit, und da kann man ganz grob sagen: Die Wirklichkeit entsteht aus wenigen abstrakten Grundideen und dem Unbegrenzten als Materie aller Bestimmung durch diese Ideen.

Journal

History of Philosophy and Logical AnalysisBrill

Published: Apr 5, 2006

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