Barbro Karabuda : Türkei ohne Schleier. Hamburg : Hoffmann und Campe 1959. 226 S., 28 Abb., I Karte. DM 13,80

Barbro Karabuda : Türkei ohne Schleier. Hamburg : Hoffmann und Campe 1959. 226 S., 28 Abb., I... 177 LITERATUR Yakup Kadri Karaosmanoglu: Vatan Yolunda (Um des Vater- landes willen). Millî Mücadele Hâtiralari (Erinnerungen an den nationalen Kampf). Istanbul: Selek Yayrnlan 1958. 176 S. (= Türk Inkzlâba Serisi, 2). Die schopferische Gestaltungskraft des Verf. stellte schon vor 4o Jahren Richard Hart- mann fest (WI V 264 ff., 280: Er "gehort in die moderne Weltliteratur"). Auch O. Hachtmann (Die tiirkische Literatur des zwanzigsten Jahrhuixderts, S. 22 ff.), Martin Hartmann (Dichter der neuen Tiirkei, S. 56 ff.) und O. Spies (WI XXV 33 ff.) haben seine hohe Begabung hervorgehoben. Deutsche Llbersetzungen seiner Novellen und Romane verdanken wir C. Frank, H. W. Duda, Max Schultz, H. J. Kissling und A. Schimmel. Im vorliegenden Biichlein bemuht er sich, wie er im Vorwort sagt, moglichst objektiv seine Erinnerungen an den Befreiungskampf wiederzugeben, so heissen Herzens er ihn auch miterlebte. In den einzelnen Abschnitten schildert er, wie er, Saracoglu $iikrti, Mahmud Esad und andere Turken in der Schweiz den nationalen Iiacnpf ansahen, seine Ruckkehr nach Istanbul, die dortige Lage, insbesondere die Auseinandersetzung der nationaleii Presse mit den Blaittern Damad Ferids (Aleinday und Peyani-i Sabah), den Umschwung der offentlichen Meinung nach dem zweiten Siege von Inonu, seine Reise nach Ankara, die dortigen Verhaltnisse (mit Abdruck aus Ikdam vom 12. u. 25. Juli 1921), die Sakaria- Schlacht, seinen Abschied von Ismet Pascha (Ikdam, 12. Nov. 1921), den Einzug Mustafa Kemals in Smyrna am io. Sept. 1922 (zusammen mit Mehmed ASlm-Vakit und Falih Rifki- Aksam) und den Brand der Stadt. Er schliesst mit einem Wort Mustafa Kemals: "Die erste Phase unscres nationalen Kampfes ist abgeschlossen, jetzt miissen wir die zweite Phase eroffnen." G. Jaschke e LITERATUR Barbro Karabuda : Türkei ohne Schleier. Hamburg : Hoffmann und Campe 1959. 226 S., 28 Abb., I Karte. DM 13,80. Die meisten Turisten beschrdnkeii sich darauf, Istanbul (Konstantinopel), Ankara und allenfalls noch Izmir (Smyrna) zu besuchen, um dann ein "Turkeibuch" zu schreiben. Die Verf., eine mit einem Turken verheiratete Schwedin, gab sich jedoch nicht mit der "Parade-Turkei" zufrieden, sondcrn reiste mit ihrem Gatten in die iussersten Winkel des Landcs hinein, um den wirklichen Alltag des Volkes kennen zu lernen. So entstand ihr Buch "Turkiet mitt andra hemland", das nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Es schildert mit grosser Offenheit alles, was man vor den Fremdcn gern verbirgt, aber im Endergebnis gar nicht so nachteilig fur den Ruf der Turkei wirkt. Als Ausldilderin und zugleich Turkin konnte die Verf. Gesprdche fuhren, die anderen unm6glich waren und die einen tiefen Einblick in die Seele des Volkes, besonders der Frau, gewahren. Von Interesse ist das Kapitel "Blutrache und Aberglaube" (S. 96 ff.). Es schildert u.a. die arztliche Behandlung ciner Kurdin. Hier ist das Amulett, ein langliches Stuck Papier, auf das der Imam ein Gebet geschrieben hat, sozusagen die "erste Hilfe". Wenn es nichts nutzt, holt man den "Wunder- doktor" (ü¡ürükçü), der die Krankheit wegblasen (iifiirrnek) soll. Gelingt auch das nicht, so lasst ein kluger Imam sagen, Allah habe ihm im Traum geraten, einen richtigen Doktor zu rufen. Dieser darf aber nicht einmal selber das Thermometer einlegen. Schliesslich schnitt man in die Bettdecke, mit der die Frau verhullt war, ein kleines Loch, durch das er eine Penicillinspritze geben konnte. - Zum ?ar?al bemcrkt die Verf., dass "man ihn noch sehr haufig in der Mittel- und der Ostturkei sieht" (S. 154), zur religi6sen Frage: ,,ism allge- meinen ist sich die Tiirkei ihrer politischen und geographischen Lage als einer Briicke zwischen muhammedanischer und christlicher Religion bewusst, wie iiberhaupt viele Turken das Christentum kennen und daruber diskutieren" (S. 160). - Die sprichwortliche Hilfsbereitschaft der Turken hat die Verf. gelegentlich sogar bei Beamten erfahren. Die ,,rechtschaffenen, ehrlichen und fleissigen Bauern" liebt sie iiber alles. Daher ist sie stolz auf ihren "blutroten turkischen Pass" (S. 223 f.). - Die ausgewdhltcn Aufnahmen sind charakteristisch fiir die echte "Tiirkei von heute". G. Jaschke http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Die Welt des Islams Brill

Barbro Karabuda : Türkei ohne Schleier. Hamburg : Hoffmann und Campe 1959. 226 S., 28 Abb., I Karte. DM 13,80

Die Welt des Islams, Volume 6 (1): 177 – Jan 1, 1959
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Brill
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© 1959 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0043-2539
eISSN
1570-0607
D.O.I.
10.1163/157006059X00485
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Abstract

177 LITERATUR Yakup Kadri Karaosmanoglu: Vatan Yolunda (Um des Vater- landes willen). Millî Mücadele Hâtiralari (Erinnerungen an den nationalen Kampf). Istanbul: Selek Yayrnlan 1958. 176 S. (= Türk Inkzlâba Serisi, 2). Die schopferische Gestaltungskraft des Verf. stellte schon vor 4o Jahren Richard Hart- mann fest (WI V 264 ff., 280: Er "gehort in die moderne Weltliteratur"). Auch O. Hachtmann (Die tiirkische Literatur des zwanzigsten Jahrhuixderts, S. 22 ff.), Martin Hartmann (Dichter der neuen Tiirkei, S. 56 ff.) und O. Spies (WI XXV 33 ff.) haben seine hohe Begabung hervorgehoben. Deutsche Llbersetzungen seiner Novellen und Romane verdanken wir C. Frank, H. W. Duda, Max Schultz, H. J. Kissling und A. Schimmel. Im vorliegenden Biichlein bemuht er sich, wie er im Vorwort sagt, moglichst objektiv seine Erinnerungen an den Befreiungskampf wiederzugeben, so heissen Herzens er ihn auch miterlebte. In den einzelnen Abschnitten schildert er, wie er, Saracoglu $iikrti, Mahmud Esad und andere Turken in der Schweiz den nationalen Iiacnpf ansahen, seine Ruckkehr nach Istanbul, die dortige Lage, insbesondere die Auseinandersetzung der nationaleii Presse mit den Blaittern Damad Ferids (Aleinday und Peyani-i Sabah), den Umschwung der offentlichen Meinung nach dem zweiten Siege von Inonu, seine Reise nach Ankara, die dortigen Verhaltnisse (mit Abdruck aus Ikdam vom 12. u. 25. Juli 1921), die Sakaria- Schlacht, seinen Abschied von Ismet Pascha (Ikdam, 12. Nov. 1921), den Einzug Mustafa Kemals in Smyrna am io. Sept. 1922 (zusammen mit Mehmed ASlm-Vakit und Falih Rifki- Aksam) und den Brand der Stadt. Er schliesst mit einem Wort Mustafa Kemals: "Die erste Phase unscres nationalen Kampfes ist abgeschlossen, jetzt miissen wir die zweite Phase eroffnen." G. Jaschke e LITERATUR Barbro Karabuda : Türkei ohne Schleier. Hamburg : Hoffmann und Campe 1959. 226 S., 28 Abb., I Karte. DM 13,80. Die meisten Turisten beschrdnkeii sich darauf, Istanbul (Konstantinopel), Ankara und allenfalls noch Izmir (Smyrna) zu besuchen, um dann ein "Turkeibuch" zu schreiben. Die Verf., eine mit einem Turken verheiratete Schwedin, gab sich jedoch nicht mit der "Parade-Turkei" zufrieden, sondcrn reiste mit ihrem Gatten in die iussersten Winkel des Landcs hinein, um den wirklichen Alltag des Volkes kennen zu lernen. So entstand ihr Buch "Turkiet mitt andra hemland", das nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Es schildert mit grosser Offenheit alles, was man vor den Fremdcn gern verbirgt, aber im Endergebnis gar nicht so nachteilig fur den Ruf der Turkei wirkt. Als Ausldilderin und zugleich Turkin konnte die Verf. Gesprdche fuhren, die anderen unm6glich waren und die einen tiefen Einblick in die Seele des Volkes, besonders der Frau, gewahren. Von Interesse ist das Kapitel "Blutrache und Aberglaube" (S. 96 ff.). Es schildert u.a. die arztliche Behandlung ciner Kurdin. Hier ist das Amulett, ein langliches Stuck Papier, auf das der Imam ein Gebet geschrieben hat, sozusagen die "erste Hilfe". Wenn es nichts nutzt, holt man den "Wunder- doktor" (ü¡ürükçü), der die Krankheit wegblasen (iifiirrnek) soll. Gelingt auch das nicht, so lasst ein kluger Imam sagen, Allah habe ihm im Traum geraten, einen richtigen Doktor zu rufen. Dieser darf aber nicht einmal selber das Thermometer einlegen. Schliesslich schnitt man in die Bettdecke, mit der die Frau verhullt war, ein kleines Loch, durch das er eine Penicillinspritze geben konnte. - Zum ?ar?al bemcrkt die Verf., dass "man ihn noch sehr haufig in der Mittel- und der Ostturkei sieht" (S. 154), zur religi6sen Frage: ,,ism allge- meinen ist sich die Tiirkei ihrer politischen und geographischen Lage als einer Briicke zwischen muhammedanischer und christlicher Religion bewusst, wie iiberhaupt viele Turken das Christentum kennen und daruber diskutieren" (S. 160). - Die sprichwortliche Hilfsbereitschaft der Turken hat die Verf. gelegentlich sogar bei Beamten erfahren. Die ,,rechtschaffenen, ehrlichen und fleissigen Bauern" liebt sie iiber alles. Daher ist sie stolz auf ihren "blutroten turkischen Pass" (S. 223 f.). - Die ausgewdhltcn Aufnahmen sind charakteristisch fiir die echte "Tiirkei von heute". G. Jaschke

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Die Welt des IslamsBrill

Published: Jan 1, 1959

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