Ausklang des deutschen Idealismus

Ausklang des deutschen Idealismus Ausklang des deutschen Idealismus Von Hegel zu Solger und Hebbel HORST SIEBERT Friedrich Hebbel, der geniale Autodidakt aus Dithmarschen, hat mit seinen philosophischen Aphorismen und asthetischen Theorien ebenso- viel Beachtung gefunden wie mit seinem dramatischen Werk. Allerdings droht das pliilosophische Gedankengut mehrfach die poetische Gestal- tung der Tragbdien zu ersticken. Indem die Dramen ohne Kenntnis des metaphysischen Hintergrundes oft unverstandlich blieben, versperrte sich Hebbel selbst den Zugang zu einem breiten Publikum. Hebbel fiihlte sich als letzter Tragiker der idealistischen Epoche noch der Tradi- tion deutscher Geistesgeschichte verpflichtet, obwohl das Weltbild des Idealismus in der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr fragwurdig wurde. Bereits Georg Buchner verheimlichte sein tiefes MiB- trauen gegen die idealistische Philosophie nicht. Der realistische Roman ersetzte bald die klassischen Form der metaphysischen Trag6die. Die Hegel-Schiiler Feuerbach und Marx versuchten, die Idee des Absoluten als Fiktion zu entlarven. Welche Position vertritt Hebbel nun an diesem geistesgeschichtlichen Wendepunkt? Benno von Wiese glaubt Hebbel bereits dem Nihilismus zuordnen zu mfssenl. Demgegenüber wird Hebbel bereits zu seinen Lebzeiten als Epigone Hegels abgestempelt. Besonders in seinen beiden viel diskutierten theoretischen Schriften "Vorwort zur Maria Magdalena" und "Ein Wort iber das Drama" glaubte man Hegels Gedanken wiederzufinden. Diese Abhangigkeit http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Ausklang des deutschen Idealismus

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Publisher
Brill
Copyright
© 1968 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007368X00049
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Abstract

Ausklang des deutschen Idealismus Von Hegel zu Solger und Hebbel HORST SIEBERT Friedrich Hebbel, der geniale Autodidakt aus Dithmarschen, hat mit seinen philosophischen Aphorismen und asthetischen Theorien ebenso- viel Beachtung gefunden wie mit seinem dramatischen Werk. Allerdings droht das pliilosophische Gedankengut mehrfach die poetische Gestal- tung der Tragbdien zu ersticken. Indem die Dramen ohne Kenntnis des metaphysischen Hintergrundes oft unverstandlich blieben, versperrte sich Hebbel selbst den Zugang zu einem breiten Publikum. Hebbel fiihlte sich als letzter Tragiker der idealistischen Epoche noch der Tradi- tion deutscher Geistesgeschichte verpflichtet, obwohl das Weltbild des Idealismus in der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr fragwurdig wurde. Bereits Georg Buchner verheimlichte sein tiefes MiB- trauen gegen die idealistische Philosophie nicht. Der realistische Roman ersetzte bald die klassischen Form der metaphysischen Trag6die. Die Hegel-Schiiler Feuerbach und Marx versuchten, die Idee des Absoluten als Fiktion zu entlarven. Welche Position vertritt Hebbel nun an diesem geistesgeschichtlichen Wendepunkt? Benno von Wiese glaubt Hebbel bereits dem Nihilismus zuordnen zu mfssenl. Demgegenüber wird Hebbel bereits zu seinen Lebzeiten als Epigone Hegels abgestempelt. Besonders in seinen beiden viel diskutierten theoretischen Schriften "Vorwort zur Maria Magdalena" und "Ein Wort iber das Drama" glaubte man Hegels Gedanken wiederzufinden. Diese Abhangigkeit

Journal

Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1968

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