Antichristvorstellungen im Wandel der mittelalterlichen Gesellschaft

Antichristvorstellungen im Wandel der mittelalterlichen Gesellschaft HEINZ-DIETER HEIMANN Antichristvorstellungen im Wandel der mittelalterlichen Gesellschaft Zum Umgang mit einer Angst- und Hoffnungssignatur zwischen theologischer Formalisierung und beginnender politischer Propaganda I. Noch jungst in der SchluBphase des "Kalten Krieges" wurde die Weltgemeinschaft vor dem,,Reich des B6sen" und seinen leibhaftigen politischen Führern gewarnt. Und was die einen darüber mit der Vision einer "Neuen Weltordnung" verbanden, lieferte anderen Vorzeichen einer Umweltkatastrophe in apokalyptischen Dimensionen. Der politischen Sprache unserer Zeit ist demnach die Personifikation ethischer Kategorien nicht fremd, und in der 6ffentlichen Meinung werden Feindbilder, die den Gegner schlief3lich auch in einen apoka- lyptischen Gegensatz drangen, weitgehend verstanden. Solches Ar- gumentieren mit Geschichtsvorstellungen besitzt Methode. Diese Praxis fuf3t weitgehend auf kulturellen Mustern und Geschichtsbildtraditionen, in deren Kern die Vorstellung des Antichrist mit hineingeh6rt. Vom antiken Judentum' uber die mittelalterlichen ordo-Vorstel- lungen der sichtbaren und unsichtbaren Welt, die Antimodernisierung im 19. Jahrhundert, die Massenbewegungen des frühen 20. Jahrhun- derts bis in unsere Gegenwart kann jenseits theologischer bzw. innerkirchlicher Belange der Umgang mit dem Antichristen im poli- tischen Raum als eines der traditionsreichsten, ja wirkungsmächtigsten Typen in der Geschichte der politischen Propaganda und der Medien angeführt werden.2 Der Antichrist geh6rt nach der Danielvision des 100 Alten Testaments und der neutestamentlichen Apokalypse http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Antichristvorstellungen im Wandel der mittelalterlichen Gesellschaft

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Publisher
Brill
Copyright
© 1995 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007395X00175
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Abstract

HEINZ-DIETER HEIMANN Antichristvorstellungen im Wandel der mittelalterlichen Gesellschaft Zum Umgang mit einer Angst- und Hoffnungssignatur zwischen theologischer Formalisierung und beginnender politischer Propaganda I. Noch jungst in der SchluBphase des "Kalten Krieges" wurde die Weltgemeinschaft vor dem,,Reich des B6sen" und seinen leibhaftigen politischen Führern gewarnt. Und was die einen darüber mit der Vision einer "Neuen Weltordnung" verbanden, lieferte anderen Vorzeichen einer Umweltkatastrophe in apokalyptischen Dimensionen. Der politischen Sprache unserer Zeit ist demnach die Personifikation ethischer Kategorien nicht fremd, und in der 6ffentlichen Meinung werden Feindbilder, die den Gegner schlief3lich auch in einen apoka- lyptischen Gegensatz drangen, weitgehend verstanden. Solches Ar- gumentieren mit Geschichtsvorstellungen besitzt Methode. Diese Praxis fuf3t weitgehend auf kulturellen Mustern und Geschichtsbildtraditionen, in deren Kern die Vorstellung des Antichrist mit hineingeh6rt. Vom antiken Judentum' uber die mittelalterlichen ordo-Vorstel- lungen der sichtbaren und unsichtbaren Welt, die Antimodernisierung im 19. Jahrhundert, die Massenbewegungen des frühen 20. Jahrhun- derts bis in unsere Gegenwart kann jenseits theologischer bzw. innerkirchlicher Belange der Umgang mit dem Antichristen im poli- tischen Raum als eines der traditionsreichsten, ja wirkungsmächtigsten Typen in der Geschichte der politischen Propaganda und der Medien angeführt werden.2 Der Antichrist geh6rt nach der Danielvision des 100 Alten Testaments und der neutestamentlichen Apokalypse

Journal

Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1995

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